Somatic Experiencing (SE) _ Trauma Auflösung nach Dr. Peter A. Levine
Den Tiger umarmen
"Ein Trauma ist eine innere Zwangsjacke, die entsteht, wenn ein verheerender Augenblick in der Zeit eingefroren wird. Es unterdrückt die Entfaltung des Seins und unterbindet unsere Versuche, das schreckliche Geschehen hinter uns zu lassen und unser Leben einfach fortzusetzen. Es trennt uns von unserem Selbst, von anderen, der Natur und dem Geist. Wenn wir uns durch eine Bedrohung überwältigt fühlen, dann versteinern wir vor Angst, so, als seien unsere instinktiven Überlebensenergien auf dem Sprung, ohne jedoch eine Richtung zu haben."
Peter A. Levine
Somatic Experiencing (SE)® – Dem Nervensystem eine Stimme geben
Somatic Experiencing ist ein körperorientierter Ansatz zur Lösung von traumatischem Stress. Wenn Erlebnisse zu schnell, zu viel oder zu heftig für unser System waren, bleibt diese Energie oft im Körper „stecken“. SE hilft dabei, diese gestaute Energie sanft und sicher zu lösen, damit dein Nervensystem wieder in seine natürliche Balance findet.
Der Ansatz: Sicherheit und kleine Schritte
Wir arbeiten nicht mit dem Ereignis selbst, sondern mit der Reaktion deines Körpers darauf. In kleinen, verdaubaren Schritten (Titration) unterstützen wir dein System dabei, wieder Kapazität und Resilienz aufzubauen.
Der Ablauf deiner SE-Sitzung:
- Im Sitzen: Anders als bei der Craniosacral Therapie findet eine Somatic Experiencing Sitzung in der Regel im Sitzen auf Augenhöhe statt. Dies fördert die Präsenz und den Kontakt zum Hier und Jetzt.
- In voller Kleidung: Du bleibst vollständig bekleidet. Es ist hilfreich, wenn du dich in deiner Kleidung wohl und sicher fühlst.
- Felt Sense & Aufspüren: Wir nutzen die Wahrnehmung deiner Körperempfindungen (Felt Sense). Ich begleite dich dabei, Impulse wie Wärme, Kribbeln oder Atembewegungen wahrzunehmen.
- Ressourcenorientiert: Wir suchen immer nach dem, was dich stärkt. Ressourcen sind der Anker, der es deinem System ermöglicht, schwierige Empfindungen sicher zu verarbeiten.
- Dauer: Eine Sitzung dauert üblicherweise 60 Minuten.
Dein Gewinn:
Durch SE lernst du, die Zeichen deines Nervensystems besser zu verstehen. Das Ziel ist nicht nur die Symptomlinderung, sondern eine tiefere Verkörperung und die Rückkehr deiner natürlichen Lebensfreude und Vitalität.
Prozessorientiertes Wirken:
Heilung ist kein linearer Weg, sondern ein individueller Prozess. Gemeinsam geben wir deinem Körper die Zeit und die Sicherheit, die er benötigt, um alte Muster loszulassen und sich neu auf die Gesundheit auszurichten.
Formulierungen:
- Sympathikus & Parasympathikus: Unser vegetatives Nervensystem funktioniert wie Gaspedal und Bremse. Der Sympathikus ist für Aktivität und Schutz (Kampf/Flucht) zuständig, während der Parasympathikus uns hilft, zu entspannen, zu verdauen und zur Ruhe zu kommen. Heilung geschieht, wenn beide Zweige wieder flexibel und harmonisch zusammenarbeiten.
- Titrieren (Die Kunst der kleinen Schritte): Trauma ist oft „zu viel, zu schnell, zu plötzlich“. Deshalb arbeiten wir in der Therapie mit der Titration. Das bedeutet, dass wir belastende Erfahrungen in ganz kleine, behutsame Portionen aufteilen. So stellen wir sicher, dass dein System nie überfordert wird und die angestaute Energie sicher abfliessen kann.
- Pendulieren: Wir pendeln in der Sitzung ganz bewusst zwischen deinen Ressourcen (dem, was sich gut und sicher anfühlt) und den schwierigen Körperempfindungen hin und her. Dieses sanfte Hin- und Herbewegen hilft deinem Nervensystem, seine natürliche Kapazität zu erweitern und die Fähigkeit zur Selbstregulation zurückzugewinnen.
- Co-Regulation: Als Therapeutin biete ich dir mein ruhiges, präsentes Nervensystem als Anker an. Durch unsere Interaktion lernt dein System, sich wieder sicher zu fühlen und in die eigene Regulation zu finden.
Übersicht der Anwendungsgebiete:
Da SE direkt am Nervensystem ansetzt, liegt der Fokus hier auf der Lösung von Stress, Schock und traumatischen Prägungen:
Verarbeitung von Schock- und Traumafolgen:
- Nach Unfällen: Sturz, Verkehrsunfälle oder Sportverletzungen (auch wenn sie länger zurückliegen).
- Medizinische Eingriffe: Nach Operationen, Vollnarkosen oder schwierigen zahnärztlichen Behandlungen.
- Plötzliche Ereignisse: Überfälle, Verlust eines geliebten Menschen oder Naturkatastrophen.
Regulation bei chronischem Stress:
- Burnout & Erschöpfung: Wenn das System die Fähigkeit verloren hat, sich wirklich zu entspannen.
- Angstzustände: Panikattacken, übermässige Wachsamkeit (Hypervigilanz) oder diffuse Ängste.
- Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen durch innere Unruhe.
Emotionale und Soziale Balance:
- Bindungsthemen: Unterstützung bei Schwierigkeiten in Beziehungen oder bei mangelndem Urvertrauen.
- Überwältigende Gefühle: Schnelle Reizbarkeit, Wutausbrüche oder emotionale Taubheit.
- Hohe Sensibilität: Begleitung für Menschen, die Reize von aussen sehr intensiv wahrnehmen und schneller überflutet sind.
Körperliche Symptome ohne organischen Befund (Psychosomatik):
- Chronische Schmerzen oder Verspannungen, die auf Stress reagieren.
- Verdauungsprobleme oder Atemenge bei Anspannung.
- Chronische Müdigkeit oder Konzentrationsmangel.
Dein Tempo, deine Entscheidung:
"Wie viele Sitzungen du in Anspruch nehmen möchtest, entscheidest du selbst. Heilung ist ein individueller Prozess, der Raum und Zeit braucht. Während bei akuten Themen oft schon wenige Termine eine spürbare Erleichterung bringen, kann bei tiefliegenden Prozessen eine längerfristige Begleitung sinnvoll sein. Wir reflektieren gemeinsam in regelmässigen Abständen, wo du stehst und was dein System aktuell benötigt, damit du dich jederzeit sicher und selbstbestimmt fühlst.“
Wichtiger Hinweis:
„Die biodynamische Craniosacral Therapie und Somatic Experiencing® sind begleitende Methoden zur Unterstützung der Selbstregulation und der körpereigenen Heilungsprozesse. Meine Arbeit ersetzt keine medizinische oder psychiatrische Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder entsprechendes Fachpersonal. Laufende Behandlungen sollten nicht unterbrochen und notwendige medizinische Massnahmen nicht aufgeschoben werden.“